2021 2.1 Von Leka nach Forvik (Vevelstad)

Detailbericht


Montag, 06.09.2021:
Von Leka nach Forvik

Endlich haben wir Südwind und können bequem nach Norden segeln. Das Wetter ist zwar durchwachsen, aber wir sind schnell. An Brønnøysund fliegen wir förmlich vorbei, während uns die Hurtigruten entgegenkommt. Mehrere Male erwischen uns Regengüsse. Sie dauern aber nie lange. Und ehrlich gesagt: sogar das macht Spaß, denn wir sind endlich auf dem Weg nach Norden.

Abfahrt 09:30 Ankunft 18:15
Luft 10-12°, 1018-1016 mbar, bedeckt, Regenschauer, Wind S 12-16kn
Distanz Gesamt Segel Motor
Tagesweg 43 43 0
Übertrag 26 20 6
Summe 69 63 6
Der Hafen von Forvik

Nordvika båthavn oder Forvik småbåthavn ist ein kleiner Hafen mit einem soliden Schwimmsteg für Gäste. Wie man auf dem rechten Bild sehen kann, hat der Steg einen erhöhten Rand, so dass man bequem ein- und aussteigen kann. Kerstin war ganz begeistert davon.

2,5 km südlich gibt es ein COOP-Lebensmittelgeschäft mit eigenem Anleger (nur für kleine Boote mit wenig Tiefgang).

Liegegebühren:

Zahlbar mit VIPPs oder im Briefumschlag

alle Boote

100 kr

 

Waschmaschine

20 kr

 

 

 

Trockner

20 kr

Strom

20 kr

 

Dusche

20 kr

https://www.norskhavneguide.no/havn/nordvika-bathavn
https://velihavn.no/gjestehavner/nordland/nordvika-bathavn

Handelsstedet Forvik

Der Handelsplatz Forvik ist seit 4 Generationen im Besitz der Familie Arntzen und wird von ihr geführt. 2009 gründete Arnt Mathias Arntzen eine Kaffeebrennerei im alten Lebensmittelladen in Forvik.

Heute ist Hanne Birgitte Arntzen hier bei Forvik zuständig. Es gibt Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie und eine Kaffeerösterei. Mehrmals in der Woche wird hier köstlicher Kaffee geröstet. Der Kaffee wird an Einheimische und Touristen verkauft. Laut Web-Seite verkauft man an Händler von Namdalen im Süden bis Alta im Norden. Hanne Birgitte Arntzen erzählte uns, dass sie inzwischen über das Internet auch nach Deutschland verkauft. Besonders beliebt ist der Weihnachtskaffee. Im Oktober fängt sie damit an ihn herzustellen.

Siehe auch https://handelsstedetforvik.no/

Die Steinzeichnungen in Vistnesdalen

Vor vielen tausend Jahren war dieser Ort ein wichtiger Treffpunkt für Menschen.

In die Felswände ritzten sie Bilder ein, die wahrscheinlich wichtige Symbole der steinzeitlichen Gesellschaft waren. Einige der dargestellten Figuren wie Rentiere, Elche und Heilbutt sind für den modernen Menschen erkennbar. Andere Zeichen sind völlig unverständlich – innerhalb der Tierfiguren befinden sich abstrakte Linienmuster.

Die wahre Bedeutung der Bilder und der Gedanken dahinter bleiben uns verborgen. Motivwahl, Figurenkomposition und geographische Lage können uns bei unseren Interpretationsversuchen der Gedankenwelt der Steinzeitmenschen helfen. Die Bilder stammen wahrscheinlich von Menschen, die vor etwa 5000 Jahren vom Jagen und Fallenstellen lebten.

Könnte Vistnesdalen ein allgemeiner heiliger Ort für die Menschen von der Außenküste bis zum Hochgebirge gewesen sein? Vielleicht wurden hier Rituale vollzogen, die wichtig waren, um die Einheit zu erhalten und das Gemeinschaftsgefühl der weit verstreut lebenden Menschen zu stärken.

Felszeichnungen auszumalen, um sie besser sichtbar zu machen, wird in Nordland heute nicht mehr praktiziert. Aber man kann in einigen Figurenlinien noch Spuren roter Farbe aus den 1970er Jahren erkennen. Heute wird Wert darauf gelegt, dass man die Steinzeichnungen in ihrer natürlichsten Form erleben kann, ohne dass moderne Eingriffe dabei stören. 

Das Helgeland Museum

In allen Kommunen in Helgeland gibt es ein Museum, das zum Helgeland Museum gehört.

Das allein ist schon beachtenswert. Mich begeistert um so mehr der Internetauftritt des Helgeland Museums. Schaut euch das mal an. Vieles ist verständlich. Ansonsten hilft der Google Translator.

https://helgelandmuseum.no/

Vistnesfjorden

Der Vistnesfjord, der sich direkt nördlich von Forvik ca. 10 sm ins Inland erstreckt ist reich an Vogelarten. Es gibt mehreren Spechtarten, wie Zwergspecht und Grauspecht. Hier findet man auch den völlig friedlichen Hubro (Hey who are you?). Richtet man im Fjord seinen Blick zum Himmel, dann kann man Nordeuropas größten Greifvogel, den Seeadler, sehen.

Widerstand im 2. Weltkrieg

Viele Familien aus Vevelstad waren während des Zweiten Weltkriegs im Widerstand aktiv. Kapitän Sjøberg, Deckname von Nils Berdahl war der Anführer der Kompanie der Linge-Soldaten, die zusammen mit Einheimischen große Mengen Waffen vom Vistenfjord über die Berge nach Vefsn und Grane trugen.

1942 wurde die Operation aufgedeckt und die Deutschen nahmen sieben junge Männer aus dem Bezirk gefangen. Nach summarischen Prozessen wurden 24 Männer aus Vevelstad, Vefsn, Grane und der Umgebung von Trondheim im Gefangenenlager Falstad in Trøndelag hingerichtet. Dieses Ereignis wird später als „Mayana-Tragödie“ bezeichnet. Kapitän Sjøberg, Olaf Kaspersen und Johan Lynghaug kamen 1944 bei Zusammenstößen mit den Deutschen in Eiteradalen ums Leben. Jedes Jahr wird der Sjøbergmarsjsn durch den Lomsdal-Visten-Nationalpark zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges organisiert.

Hvaldimir der Spion?

Hvaldimir ist ein weißer Belugawahl, der 2019 bei Hammerfest zum ersten Mal auftauchte. Er trug ein Geschirr, näherte sich einem Fischerboot und versuchte das Geschirr abzustreifen. Die Fischer halfen ihm. Seitdem sucht er anscheinend die Nähe von Menschen. Manche meinten er hätte eine Kamera getragen und wäre in Russland zum Spion ausgebildet worden. Wahrscheinlicher ist aber, dass er ein in Gefangenschaft aufgewachsener Belugawahl ist, der an Menschen gewöhnt und Kunststücke gelernt hat. Es kann auch sein, dass er zur Therapie mit Kindern eingesetzt wurde, bevor er in die Freiheit entkam. Anscheinend kann er aber nicht allein überleben. Deshalb sucht er immer wieder die Nähe von Menschen, die ihn füttern.

Hvaldimir hat sogar eine eigene Facebook Seite. Karl-Johan, unser norwegischer Bekannter, zückte sofort sein Handy, als wir ihm davon erzählten und schaute nach, wo sich Hvaldimir gerade befindet. Also, man kann hier seine eigene Recherche im Internet starten. Viel Spaß dabei!

Hier geht’s lang https://de.wikipedia.org/wiki/Hvaldimir

Schuhwechselstein

Bis in die 1920er Jahre ging ein Großteil des Weges von Vistnesodden nach Forvik über das Korsvikmoor. Am Ende dieser feuchten Strecke kam man zum „Schuhwechselstein“. Hier zog man die nassen Schuhe aus und legte sie unter den Stein. Anschließend wurden mitgebrachte, trockene Schuhe angezogen. So konnte man den Rest des Weges zur Kirche oder für Besorgungen in Forvik in trockenen, geputzten Schuhen gehen. Auf dem Rückweg wurde wieder gewechselt.

Ausflüge / Aktivitäten

Wanderung zu den Felszeichnungen von Vevelstad

Am Dienstag, den 7. September ist es relativ warm (13°) und die Luft ist feucht. Oder wie man so sagt: Es fällt Feuchtigkeit aus. Regnen kann man das nicht unbedingt nennen. Aber man wird mit der Zeit nass.

Wir laufen zuerst vorbei an der Kirche von Vevelstad zum COOP-Geschäft um ein paar Einkäufe zu machen. Auf dem Rückweg kehren wir im Kaffee Handelsstedet Forvik oder kurz Kaffee Forvik ein. Die Handelsstedet Forvik ist nicht nur ein Kaffee, sondern eine Kaffeerösterei. Wir sind zwar die einzigen Gäste, doch müssen wir warten, bis die Chefin Hanne Birgitte Arntzen den Röstvorgang beendet hat. Beim Rösten von Kaffee kommt es auf das genaue Timing an. Jetzt bedient sie uns. Es gibt verschiedene Kaffeesorten. Wir lassen uns beraten. Kaffee und Kuchen schmecken vorzüglich. Wir kommen ins Gespräch. Und als sie hört, dass wir mit dem Segelboot da sind, erzählt sie uns von Hvaldimir, dem weißen Orca, der sich im Sommer wohl öfter hier im Hafen aufgehalten hat. Wir sollten mal Ausschau halten. Vielleicht kommt er ja nochmal.

Wir laden unsre Einkäufe auf dem Schiff ab und brechen gleich wieder auf. Wir wollen zu den steinzeitlichen Felszeichnungen. Es nicht ganz einfach herauszubekommen, wo sie sich genau befinden. Also stiefeln wir mal los. Bald sehen wir eine Schautafel am Straßenrand und freuen uns, dass wir schon da sind. Aber es ist nur der Schuhwechselstein (siehe Geschichten), der hier gezeigt wird. Es geht noch ein gutes Stück weiter die Straße entlang. Wir wollen schon aufgeben, als wir das Hinweisschild zu den Felszeichnungen entdecken. Wir finden sie unweit der Straße (siehe Fotos und Wissenswertes).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert