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12.08.2014

Heute geht es weiter nach Calais oder Boulogne. Je nachdem, was wir im Hellen erreichen können. Auf jeden Fall werden wir über die Baie de la Seine eine Nachtfahrt machen und an all den bekannten Landungsabschnitten des 2. Weltkrieges wie Juno, Gold, Omaha usw. vorbeisegeln. Die wenigen Häfen sind nur schwer anzusteuern und außerdem wollen wir mal wieder eine größere Strecke zurücklegen.

Kurz hinter der Reede von Cherbourg setzen wir Segel. Die Genua reicht uns, denn der Wind weht stetig und kräftig aus Süd-West und bläst uns nach Osten Richtung Boulogne.

Wir versuchen die Hydrovane in Betrieb zu nehmen. Ich liege angeleint hinten auf der Badeplattform und versuche das Ruder der Hydrovane unter Wasser anzubringen. Bei dem Wind machen wir jedoch auch ohne Segel so viel Fahrt, dass der Wasserdruck so groß ist, dass es mir nicht gelingt, das Ruderblatt an die dafür vorgesehene Stange zu schieben. Als mich eine Welle von achtern völlig durchnässt gebe ich auf. Also heißt es vorerst weiter per Hand steuern und sparsam den elektrischen Autopiloten einzusetzen.

Wir kommen eine Weile mit 7-8 kn über Grund flott voran. Gegen 21 Uhr kentert der Strom und wir werden spürbar langsamer. 3-4 kn bleiben nur noch übrig.

Ich steuere bis 02:30, Kluftingers neuester Fall hält mich wach. Dann ist Kerstin dran. Sie singt sich durch die Nacht und verzichtet auf ein Hörbuch.

Gegen 8 Uhr weckt sie mich wieder. Ich habe trotz der Schaukelei bei achterlichem Wind und Strom aus der Gegenrichtung ganz gut schlafen können. Um 10 Uhr haben wir ein Etmal von 125 sm geschafft, also einen Durchschnitt von über 5kn. Nicht schlecht!

Wir peilen Boulogne an, Calais wäre erst in der nächsten Nacht zu erreichen und es reicht uns einfach. Eine Pause würde uns guttun.

Die Port Control von Boulogne muss man über Kanal 12 um Erlaubnis für die Einfahrt in den Hafen anfunken. Man nähert sich hier immer mehr dem Verkehrstrennungsgebiet, dass in der Meerenge zwischen Dover und Calais seine engste Stelle hat. Die ITZ (inshore traffic zone) wird immer schmaler. Und die Lichterketten der Schiffe, die wir nachts gesehen haben, wandeln sich nun von schwimmenden Inseln zu ausgewachsenen Containerschiffen. Das eine oder andere davon wird vielleicht auch den Hafen von Boulogne ansteuern und da ist es verständlich, dass man sich bei der Port Control melden muss.

Zum ersten Mal kommt also unsere Funke, das UKW-Funkgerät zum Einsatz. Lange vor dem Hafen schalten wir es schon mal ein, um zu hören, was die anderen denn so sagen, wenn sie mit der Port Control reden. Das meiste, was gesprochen wird, ist unverständlich. Man verzichtet wohl auf lange Anruffformalitäten. Als Greenhorn wollen wir uns natürlich auch nicht outen. Endlich jemand auf Englisch. Auch er fragt nur an, ob er weiterfahren kann. Na gut. Das kann ich auch.

„Boulogne Port Control, this is sailing yacht Barrabas. We are approaching Boulogne from SW and would like to enter the harbour. Can we proceed?“ Keine Reaktion. Hören können wir mit dem Funkgerät, gesendet haben wir bisher nicht. Am Handapparat der Funke kann man zwischen Hi & Lo umstellen. Ich versuche es nochmal mit Hi. Und siehe da, es kommt eine Antwort. „Yes, you can proceed.“, „Thank you.“ „You are welcome“. Wow – so einfach ist das.

Die Einfahrt in den Hafen selbst ist beeindruckend. Strömung und Wind haben eine kabbelige Welle aufgebaut und die sandig grüne Farbe des Wassers übersetzt den Begriff „Grundsee“ anschaulich ins Visuelle. Zwei andere Schiffe hüpfen neben uns in die Einfahrt und wir erkennen deutlich den Vorteil der Trägheit, den ein 13 Tonnen Schiff hat. Wir sind zwar sonst etwas langsam, aber hier fahren wir einfach rein. Spätere Gespräche mit anderen Seglern bestätigen genau das. Ein kleineres Schiff hatte arg zu kämpfen in der Einfahrt. Sie hatten auch nur 4 Tonnen. Zum ersten Mal wird das Gewicht zum Thema.

In der Marina weist man uns einen Platz zu und hilft uns beim Anlegen. Wir liegen neben einem holländischen Paar mit dem wir ins Gespräch kommen. Aber zuerst werden wir noch während des Anlegemanövers von zwei Deutschen angesprochen. Der Eine der Beiden ist ziemlich aufgekratzt. Er freut sich das Schiff zu sehen. Er kennt es aus dem Internet und vor allem hat er Adrians Buch „Extremtörn zu mir selbst“ gelesen. Zum ersten Mal erleben wir, dass jemand das Schiff erkennt und Adrians Buch gelesen hat. Wir schnacken eine ganze Weile und als wir erzählen, dass wir einen Platz suchen, wo wir das Schiff restaurieren können, gibt er uns den Tipp auf eine Werft gegenüber von Wedel bei Hamburg aber schon in Niedersachsen. Dort könne man auch selber noch etwas machen. Das sei in Hamburg auf den Werften schon nirgends mehr möglich.

Wir machen einen kurzen Einkauf in einem Sparladen, gehen Duschen und Waschen eine Maschine. 5 € Waschmaschine + 5 € Trockner. Nicht ganz billig. Beeindruckend ist die Tide: 9 m. Foto bei Nacht.



14.08.2014

Während wir beschließen, erst die Stadt zu erkunden und dann das eine oder andere zu reparieren und Harry, die Hydrovanefahne zu installieren, ergibt sich ein Handgriff nach dem anderen und bald ist Harry installiert. Kerstin hat das Heck entrostet (an den Stellen, an denen wir die Körbe für die Benzinkanister am Heck abgeflext haben, haben sich starke Rostflecken gebildet.)

Endlich gegen 15 Uhr ziehen wir los, schlendern an Geschäften entlang und wandern durch die Sträßchen hinauf zur Notre Dame Basilika. Es gibt eine Altstadt mit zahlreichen ansprechenden Lokalen und über allem thront eine Burg, die schon 1000 Jahre auf dem Buckel hat. In einem Dieser Lokale könnten wir doch zu Abend essen. Da es aber kalt geworden ist, wollen wir nochmal zurück zum Schiff, um uns umzuziehen. Dabei kommen wir nochmal an einem der Highlights, die in Touristenführer ausgewiesen sind, vorbei. Nämlich am „Erbe des 20 JH.“ 4 Wohnhochhäuser.

Essen in der Altstadt. Assiette du Pecheur – lecker!

Mariette, der mit Napoleon in Ägypten dabei war und die ersten Entdeckungen gemacht hat, stammt aus Boulogne. Siehe Denkmal in der Altstadt.


Boulogne

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